Future Talk „Zukunft Mensch“

Im Future Talk Format von Klaus Kofler war dieses Mal Prof. Dr. Dr. Martin Grassberger in der Stadtbibliothek Dornbirn zu Gast zum Thema „Zukunft Mensch“.

Dieser Future Talk bringt zwei Perspektiven zusammen, die auf den ersten Blick verschieden scheinen, sich jedoch in der Tiefe ergänzen, nämlich die Zukunftsforschung von Klaus Kofler und die biomedizinischen Betrachtungen von Martin Grassberger. Gemeinsam werfen sie einen kritischen Blick auf den Zustand unserer Gesellschaft und diskutieren, welche Werkzeuge wir brauchen, um die Herausforderungen von Gegenwart und Zukunft zu meistern.

Zukunft Mensch, ein Dialog über Verantwortung und Gestaltungskraft

Im Zentrum steht die Frage: Wie wollen wir als Menschen in Zukunft leben und was müssen wir heute tun, um diese Zukunft zu gestalten? Dabei geht es nicht um starre Prognosen oder lineare Verlängerungen der Gegenwart, sondern um die Haltung, Verantwortung für unsere Zukunft zu übernehmen und aktiv neue Möglichkeiten zu schaffen.

Klaus Kofler betont, dass Zukunft kein Algorithmus ist, sondern ein Resonanzraum, in dem wir uns als Gesellschaft immer wieder neu erfinden müssen. Martin Grassberger ergänzt diesen Ansatz mit Blick auf ökologische und medizinische Zusammenhänge, Gesundheit, Umwelt und soziales Miteinander bilden ein untrennbares Geflecht, das unsere Zukunftsfähigkeit bestimmt.

Perspektiven auf Gesellschaft, Umwelt und Gesundheit im Future Talk mit Klaus Kofler und Martin Grassberger

Der Talk macht deutlich, wir leben in einer Zeit multipler Krisen wie Klimawandel, Ressourcenknappheit, gesellschaftliche Spaltungen. Doch anstatt uns von diesen Problemen lähmen zu lassen, gilt es, sie als Ausgangspunkt für kreative Lösungen zu sehen. Zukunftskompetenz bedeutet, alte Muster zu hinterfragen, eingefahrene Strukturen zu verlassen und mutig neue Wege einzuschlagen. Besonders betont wird die Rolle der Resilienz. Sie entsteht nicht von heute auf morgen, sondern durch einen bewussten Prozess des Umlernens, Loslassens und Neu-Gestaltens. Resilienz ist dabei nicht bloß ein Schlagwort, sondern die Grundlage für ein regeneratives Zukunftsdesign, das sich am Gesamtorganismus Gesellschaft orientiert.

Zukunftskompetenz und Resilienz als Schlüssel für eine lebenswerte Zukunft

Der Future Talk „Zukunft Mensch“ zeigt, wie entscheidend Kommunikation, Empathie und eine neue Haltung zum Leben selbst sind. Nur wenn wir bereit sind, sowohl rational als auch emotional, sowohl individuell als auch kollektiv zu denken, kann Zukunft als Raum der Chancen entstehen. Zukunft heißt, aktiv zu handeln, bevor wir gezwungen werden zu reagieren. So wird „Zukunft Mensch“ zu einer Einladung, nicht auf bessere Zeiten zu warten, sondern sie selbst möglich zu machen, mit Mut, Verantwortung und einer klaren Haltung.

Vielleicht ist es wirklich an der Zeit, den Menschen nicht länger als Störfaktor, sondern als Teil der Lösung zu begreifen und die Natur nicht als Ressource, sondern als Lehrmeisterin. Denn Zukunft beginnt dort, wo wir wieder lernen, lebendig zu denken.

Danke an Martin Grassberger für seine inspirierende Präsenz. Danke an alle Teilnehmer für das große Interesse, das volle Haus und die vielen anregenden Gespräche.

Den gesamten Talk gibt es hier zum Nachhören.

 

Future Talk "Zukunft Mensch" mit Klaus Kofler und Dr. Martin Grassberger im Gespräch über Zukunft und Gesellschaft mit Flyer
Future Talk „Zukunft Mensch“

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Weitere Beiträge

weiter neu denken

Zukunftskompetenz statt Zukunft vorhersagen

Im Podcast „Vision Possible“ des UNESCO Chair in Futures Capability for Innovation & Entrepreneurship am MCI Innsbruck spricht Klaus Kofler darüber, warum wir Zukunft bisher vor allem verwaltet, prognostiziert und kontrolliert haben, und weshalb das heute nicht mehr ausreicht.

Im Mittelpunkt des Gesprächs stehen zentrale Fragen unserer Zeit:
Wie bleiben Menschen und Organisationen in einer komplexen Welt handlungsfähig? Warum greifen klassische Zukunftsbilder immer häufiger zu kurz? Und weshalb wird Zukunftskompetenz zu einer der entscheidenden Fähigkeiten des 21. Jahrhunderts?

Das Gespräch beleuchtet unter anderem:

… warum Prognosen oft Sicherheit versprechen, aber selten echte Orientierung geben
… weshalb Zukunft nicht verwaltet, sondern gestaltet werden muss
… warum wir lernen sollten, mit Unsicherheit produktiv umzugehen
… welche Fähigkeiten Menschen in Zeiten permanenter Veränderung stärken
… und weshalb technologische Entwicklung ohne menschliche Haltung ins Leere läuft

Futures Literacy: Zukunft gestalten statt nur vorhersagen

Besonders inspirierend ist dabei der Ansatz der „Futures Literacy“, den die UNESCO als Schlüsselkompetenz der Zukunft beschreibt: Das ist die Fähigkeit, Zukunft nicht nur vorauszudenken, sondern neue Möglichkeitsräume wahrzunehmen und aktiv mitzugestalten.

Ein Gespräch über Zukunftsmut, Resonanzräume und die Frage, wie aus Unsicherheit wieder Gestaltungskraft entstehen kann.

🎧 Hier geht’s zur Podcastfolge

 

 

Zukunftsblick

Klaus Kofler im Podcast „Vision Possible“: Zukunft als Ressource

m Podcast „Vision Possible“ spricht Klaus Kofler über einen neuen Umgang mit Zukunft in Zeiten von Unsicherheit, KI und gesellschaftlichem Wandel. Im Mittelpunkt stehen Zukunftskompetenz, Futures Literacy und die Frage, wie Menschen wieder handlungsfähig werden können. Ein Gespräch über Haltung, Gestaltungskraft und neue Möglichkeitsräume.

Wie gestalten wir Zukunft wieder bewusst, statt ihr nur hinterherzulaufen?

Die meisten Zukunftsbücher fragen, wie sehr Technologie und Fortschritt uns verändern werden. In meinem aktuellen Buch stelle ich die umgekehrte Frage: wie veränderungsfähig sind wir Menschen selbst – und welchen Einfluss könnten wir dadurch auf das nehmen, was auf uns zukommt?

Mehr dazu im Börsenblatt-Interview mit Klaus Kofler: zum Interview

Und mehr zum Buch „Ressource Zukunft – Die Kunst, eine Welt von Morgen zu gestalten“

 

 

Zukunftsblick

Wie gestalten wir Zukunft wieder bewusst, statt ihr nur hinterherzulaufen?

Zukunft ist für Klaus Kofler keine Prognose, sondern die Haltung, sie als gemeinsame Aufgabe zu begreifen. Klingt einfach, ist es aber nicht. Zukunftsforscher Klaus Kofler spricht im Börsenblatt über Zukunft als Ressource und regeneratives Zukunftsdesign.

Zukunft braucht Begeisterung…Staunen statt Stillstand

Zukunft braucht Begeisterung, denn ohne Staunen verliert jede Gesellschaft ihre Vorstellungskraft und damit ihre Gestaltungsfähigkeit.

Während sich in vielen Debatten ein düsterer Grundton festgesetzt hat und Krisen, Konflikten und Machtspielen die Schlagzeilen dominieren, haben die gerade zu Ende gegangenen Olympischen Spiele in Italien etwas anderes sichtbar gemacht. Nicht als naive Gegenwelt, sondern als reale Möglichkeit. Denn wer genau hinsieht, erkennt, dass Zukunft nicht nur in Strategiepapieren, Innovationslaboren oder politischen Gipfeln entsteht. Sie zeigt sich dort, wo Menschen über Unterschiede hinweg gemeinsam etwas möglich machen. Auf den Wettkampfstätten war nicht nur Perfektion das Entscheidende, sondern auch Beziehung zueinander und füreinander. Nicht nationale Abgrenzung, sondern gelebte Vielfalt und auch nicht Zynismus, sondern die erstaunliche Fähigkeit des Menschen, sich immer wieder neu zu verbinden.

Staunen als Motor gesellschaftlicher Zukunftsfähigkeit

Aus Zukunftssicht ist das kein sentimentaler Moment, sondern ein struktureller Hinweis. Denn Gesellschaften verlieren ihre Zukunftsfähigkeit nicht zuerst durch äußere Krisen, sondern durch den inneren Verlust von Vorstellungskraft. Der Ökonom und Zukunftsdenker Jeremy Rifkin weist seit Jahren darauf hin, dass große Transformationen immer auch Bewusstseinsverschiebungen sind. In seinen Arbeiten zur empathischen Zivilisation formuliert er sinngemäß: „Der Grad unserer Empathie bestimmt die Reichweite unserer Zukunft.“ Wo die Fähigkeit zur Verbindung schrumpft, verengt sich auch der Möglichkeitsraum von Gesellschaften. Und hier wird die eigentliche Dynamik sichtbar. Denn wenn wir aufhören zu staunen, verengt sich unser Möglichkeitsraum. Wenn wir uns nur noch als Getriebene negativer Entwicklungen wahrnehmen, beginnen wir, Zukunft defensiv statt gestaltend zu denken. Was auf den ersten Blick wie bloße Stimmungslage wirkt, hat in Wirklichkeit systemische Folgen für Innovationskraft, Kooperationsfähigkeit und gesellschaftliche Resilienz. Gerade deshalb liegt in solchen globalen Ereignissen eine oft unterschätzte Kraft. Sie wirken wie ein kollektives Sichtfenster in alternative Zukünfte. Für einen Moment wird erfahrbar, dass Wettbewerb und Verbundenheit kein Widerspruch sein müssen, dass Vielfalt tragfähig macht und dass gemeinsames Erleben Zukunftsbilder öffnet, die im Alltag allzu schnell überlagert werden.

Die Spiele haben gezeigt, was in der täglichen Krisenrhetorik oft übersehen wird. Denn Kooperation ist kein romantisches Ideal, sondern eine hochwirksame soziale Infrastruktur. Vielfalt ist kein Störfaktor, sondern ein Resilienzverstärker. Transformations- und Resilienzforschung zeigen seit Jahren, dass Systeme mit hoher Diversität und starker Beziehungsqualität anpassungsfähiger auf Störungen reagieren und schneller neue Lösungen entwickeln. Die amerikanische Systemdenkerin Donella Meadows formulierte es prägnant: „Wir müssen das System nicht stärker antreiben; wir müssen die Ziele des Systems verändern.“ Genau das wurde in diesen Tagen zumindest für Momente sichtbar. Nicht das ständige Antreiben, Optimieren und Beschleunigen stand im Vordergrund, sondern das gemeinsame Ausrichten auf etwas Größeres als das eigene Interesse.

Das eigentliche Risiko unserer Zeit ist daher nicht die Krise selbst. Es ist die schleichende Gewöhnung an ein Zukunftsbild, das nur noch aus Bedrohung besteht. Aber wer Zukunft ausschließlich als Problemzone betrachtet, wird kaum die Energie aufbringen, sie aktiv zu gestalten. Dauerpessimismus ist kein Zeichen von Realismus. Er ist ein Innovationshemmnis. Deshalb brauchen wir wieder mehr Räume des Staunens. Nicht als Flucht vor dem Realen, sondern als mentale Infrastruktur für Handlungsfähigkeit. Staunen öffnet Wahrnehmung, Begeisterung erzeugt Bindung. Gemeinsame Erfahrungen schaffen Vertrauen und Vertrauen ist der vielleicht wichtigste Rohstoff für jede gelingende Transformation.

Warum Begeisterung Innovationskraft und Resilienz stärkt

Die Olympischen Spiele haben uns daran erinnert, was möglich wird, wenn Menschen sich nicht primär als Konkurrenten, sondern als Teil eines größeren Ganzen erleben. Diese Erfahrung ist kein flüchtiger emotionaler Moment. Sie ist ein Hinweis auf ein tieferes Prinzip lebendiger Systeme, denn Verbindung erzeugt Zukunftsfähigkeit. Wenn wir diese Haltung ernst nehmen, verschiebt sich der Blick grundlegend. Zukunft ist dann kein diffuser Bedrohungshorizont mehr. Sie wird wieder zu dem, was sie immer war, eine gestaltbare Ressource. Und vielleicht beginnt genau dort der notwendige Kulturwechsel unserer Zeit, nämlich in der einfachen, aber radikalen Entscheidung, uns wieder berühren, überraschen und begeistern zu lassen.

 

ab 7. Mai 2026 im Buchhandel erhältlich

 

Zukunftsblick

Zukunft braucht Begeisterung

Zukunft braucht Begeisterung, nicht Dauerpessimismus. Wenn Gesellschaften ihre Fähigkeit zum Staunen verlieren, schrumpft ihr Möglichkeitsraum. Empathie, Vielfalt und Kooperation sind keine idealistischen Werte, sondern systemische Voraussetzungen für Innovation und Resilienz. Wer Zukunft gestalten will, muss wieder lernen, sich berühren und begeistern zu lassen.