Zukunft als Zumutung

Wir alle sprechen gerne über Zukunft, so als wäre sie ein bequemes Upgrade der Gegenwart. Ein bisschen smarter, ein bisschen digitaler, oder einfach effizienter. Blicken wir aber etwas genauer hin, zeigt sich ein völlig anderes Bild von ihr. Dabei stellt sich die Frage, ob uns denn wirklich die großen Krisen bedrohen, oder ob die echte Gefahr nicht mehr darin liegt, einfach weiterzumachen, obwohl doch schon längst klar ist, dass es so gar nicht mehr funktionieren wird.  Ja, es ist diese Gleichgültigkeit, die wir unterschätzen. Die Bereitschaft, weiterzuwischen, obwohl man spürt, dass etwas kippt. Zukunft wird nicht durch Irrtümer verspielt, sondern durch das Wegsehen. Wer sich heraushält, überlässt anderen die Gestaltungsmacht. Denn Zukunft entsteht immer, die Frage ist nur, ob mit oder ohne uns.

Wir haben Zukunft viel zu lange behandelt wie ein Fortschritts Abo. Man wartet, bis halt irgendjemand etwas Neues liefert. Doch Zukunft folgt keinem Lieferprinzip. Sie fordert uns heraus. Sie verlangt Beteiligung und Reibung und vor allem Haltung. Genau deshalb ist sie auch eine Zumutung. Denn sie drängt uns, uns einzumischen. Nein, nicht erst, wenn es brennt, sondern schon dann, wenn erste Irritationen spürbar werden. Denn Zukunft ist und war nie ein sicherer Raum, sondern immer ein Feld, das uns zwingt, Entscheidungen zu treffen, die nicht bequem, aber unvermeidbar und notwendig sind.

Zukunft beginnt im Kopf, nicht im Kalender

Die Fähigkeit, Zukunft zu gestalten, entsteht nicht irgendwo da draußen, sondern tief im Inneren. Sie beginnt mit dem Willen, mehr sehen zu wollen als im Jetzt. Kinder tun das selbstverständlich. Sie handeln mit einem stillen Vertrauen darauf, dass aus dem Unbekannten etwas entstehen kann. Erwachsene haben diesen Zugang verloren. Wir verlangen Garantien, bevor wir losgehen. Doch Zukunft belohnt nicht jene, die abwarten. Sie belohnt jene, die den ersten Schritt wagen, auch wenn der Boden unter uns noch unsicher ist.

Ein Blick auf das Unerwartete – Zukunft als Nebenprodukt des Handelns

In vielen europäischen Städten zeigt sich etwas, das kaum jemand bewusst bemerkt. Menschen gestalten ihre Umgebung unabsichtlich um. In öffentlichen Gebäuden werden bestimmte Räume, Zwischengänge oder Nischen über die Jahre zu Orten des Austauschs, der Abstimmung und der spontanen Kreativität. Auch wenn diese Orte nie dafür vorgesehen waren, wurden sie zu Knotenpunkten und Begegnungszonen, die Menschen gestaltet haben. Die Erklärung war ist simpel, denn diese Räume funktionieren nicht, weil sie geplant waren, sondern weil sie gebraucht wurden. Genau darin liegt die Lektion. Zukunft entfaltet sich dort, wo Menschen handeln, improvisieren und ausprobieren. Zukunft ist immer das Ergebnis gelebter Entscheidungen und nicht das Produkt eines Masterplans.

Die Zumutung besteht darin, nicht länger Zuschauer zu sein

Wir leben in einer Zeit, in der sich zwar vieles bewegt, aber irgendwie sich wenig wirklich verwandelt. Was uns überfordert, reparieren wir, anstatt Neues zu gestalten. Aber unsere Zukunft wird so zum Verlustgeschäft. Nein, nicht weil wir zu wenig über sie wissen, sondern weil wir zu wenig wagen. Zumutung heißt, Verantwortung anzunehmen, bevor etwas zwingend wird. Zumutung heißt, den eigenen Denkrahmen zu verlassen. Und Zumutung heißt, eine Richtung zu wählen, bevor äußere Umstände sie für uns festlegen. All das entsteht nicht durch Wunschdenken, sondern durch bewusste Entscheidungen im Heute, auch wenn sie unbequem sind. Zukunft verlangt, dass wir die Komfortzone verlassen und Unsicherheit nicht länger als Bedrohung betrachten, sondern als Rohstoff für das Kommende. Denn Zukunft als Zumutung heißt vor allem, dass wir uns selbst verändern, bevor die Welt es für uns tut.

 

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weiter neu denken

Zukunft braucht Begeisterung…Staunen statt Stillstand

Zukunft braucht Begeisterung, denn ohne Staunen verliert jede Gesellschaft ihre Vorstellungskraft und damit ihre Gestaltungsfähigkeit.

Während sich in vielen Debatten ein düsterer Grundton festgesetzt hat und Krisen, Konflikten und Machtspielen die Schlagzeilen dominieren, haben die gerade zu Ende gegangenen Olympischen Spiele in Italien etwas anderes sichtbar gemacht. Nicht als naive Gegenwelt, sondern als reale Möglichkeit. Denn wer genau hinsieht, erkennt, dass Zukunft nicht nur in Strategiepapieren, Innovationslaboren oder politischen Gipfeln entsteht. Sie zeigt sich dort, wo Menschen über Unterschiede hinweg gemeinsam etwas möglich machen. Auf den Wettkampfstätten war nicht nur Perfektion das Entscheidende, sondern auch Beziehung zueinander und füreinander. Nicht nationale Abgrenzung, sondern gelebte Vielfalt und auch nicht Zynismus, sondern die erstaunliche Fähigkeit des Menschen, sich immer wieder neu zu verbinden.

Staunen als Motor gesellschaftlicher Zukunftsfähigkeit

Aus Zukunftssicht ist das kein sentimentaler Moment, sondern ein struktureller Hinweis. Denn Gesellschaften verlieren ihre Zukunftsfähigkeit nicht zuerst durch äußere Krisen, sondern durch den inneren Verlust von Vorstellungskraft. Der Ökonom und Zukunftsdenker Jeremy Rifkin weist seit Jahren darauf hin, dass große Transformationen immer auch Bewusstseinsverschiebungen sind. In seinen Arbeiten zur empathischen Zivilisation formuliert er sinngemäß: „Der Grad unserer Empathie bestimmt die Reichweite unserer Zukunft.“ Wo die Fähigkeit zur Verbindung schrumpft, verengt sich auch der Möglichkeitsraum von Gesellschaften. Und hier wird die eigentliche Dynamik sichtbar. Denn wenn wir aufhören zu staunen, verengt sich unser Möglichkeitsraum. Wenn wir uns nur noch als Getriebene negativer Entwicklungen wahrnehmen, beginnen wir, Zukunft defensiv statt gestaltend zu denken. Was auf den ersten Blick wie bloße Stimmungslage wirkt, hat in Wirklichkeit systemische Folgen für Innovationskraft, Kooperationsfähigkeit und gesellschaftliche Resilienz. Gerade deshalb liegt in solchen globalen Ereignissen eine oft unterschätzte Kraft. Sie wirken wie ein kollektives Sichtfenster in alternative Zukünfte. Für einen Moment wird erfahrbar, dass Wettbewerb und Verbundenheit kein Widerspruch sein müssen, dass Vielfalt tragfähig macht und dass gemeinsames Erleben Zukunftsbilder öffnet, die im Alltag allzu schnell überlagert werden.

Die Spiele haben gezeigt, was in der täglichen Krisenrhetorik oft übersehen wird. Denn Kooperation ist kein romantisches Ideal, sondern eine hochwirksame soziale Infrastruktur. Vielfalt ist kein Störfaktor, sondern ein Resilienzverstärker. Transformations- und Resilienzforschung zeigen seit Jahren, dass Systeme mit hoher Diversität und starker Beziehungsqualität anpassungsfähiger auf Störungen reagieren und schneller neue Lösungen entwickeln. Die amerikanische Systemdenkerin Donella Meadows formulierte es prägnant: „Wir müssen das System nicht stärker antreiben; wir müssen die Ziele des Systems verändern.“ Genau das wurde in diesen Tagen zumindest für Momente sichtbar. Nicht das ständige Antreiben, Optimieren und Beschleunigen stand im Vordergrund, sondern das gemeinsame Ausrichten auf etwas Größeres als das eigene Interesse.

Das eigentliche Risiko unserer Zeit ist daher nicht die Krise selbst. Es ist die schleichende Gewöhnung an ein Zukunftsbild, das nur noch aus Bedrohung besteht. Aber wer Zukunft ausschließlich als Problemzone betrachtet, wird kaum die Energie aufbringen, sie aktiv zu gestalten. Dauerpessimismus ist kein Zeichen von Realismus. Er ist ein Innovationshemmnis. Deshalb brauchen wir wieder mehr Räume des Staunens. Nicht als Flucht vor dem Realen, sondern als mentale Infrastruktur für Handlungsfähigkeit. Staunen öffnet Wahrnehmung, Begeisterung erzeugt Bindung. Gemeinsame Erfahrungen schaffen Vertrauen und Vertrauen ist der vielleicht wichtigste Rohstoff für jede gelingende Transformation.

Warum Begeisterung Innovationskraft und Resilienz stärkt

Die Olympischen Spiele haben uns daran erinnert, was möglich wird, wenn Menschen sich nicht primär als Konkurrenten, sondern als Teil eines größeren Ganzen erleben. Diese Erfahrung ist kein flüchtiger emotionaler Moment. Sie ist ein Hinweis auf ein tieferes Prinzip lebendiger Systeme, denn Verbindung erzeugt Zukunftsfähigkeit. Wenn wir diese Haltung ernst nehmen, verschiebt sich der Blick grundlegend. Zukunft ist dann kein diffuser Bedrohungshorizont mehr. Sie wird wieder zu dem, was sie immer war, eine gestaltbare Ressource. Und vielleicht beginnt genau dort der notwendige Kulturwechsel unserer Zeit, nämlich in der einfachen, aber radikalen Entscheidung, uns wieder berühren, überraschen und begeistern zu lassen.

 

ab 7. Mai 2026 im Buchhandel erhältlich

 

Zukunftsblick

Zukunft braucht Begeisterung

Zukunft braucht Begeisterung, nicht Dauerpessimismus. Wenn Gesellschaften ihre Fähigkeit zum Staunen verlieren, schrumpft ihr Möglichkeitsraum. Empathie, Vielfalt und Kooperation sind keine idealistischen Werte, sondern systemische Voraussetzungen für Innovation und Resilienz. Wer Zukunft gestalten will, muss wieder lernen, sich berühren und begeistern zu lassen.

Das Beste kommt noch …

Auch wenn es sich im Moment kaum so anfühlt. Die Welt steht unter Spannung. Zu viele Anforderungen gleichzeitig, zu wenig Atempausen dazwischen. Krisen überlappen sich, Sicherheiten verlieren ihre Tragfähigkeit, Institutionen reagieren im Takt der Dringlichkeit, aber immer seltener aus einer langfristigen Haltung heraus. Zukunft wird dabei oft nicht als Gestaltungsraum verstanden, sondern als Unsicherheitsfaktor, den es zu kontrollieren gilt. Und genau darin liegt eine unbequeme Einsicht. Denn gerade im Zerfall vertrauter Ordnungen zeigt sich, was Zukunft in ihrem Kern ist. Eine kostbare Ressource.

Zukunft als Ressource

Nicht als Lagerbestand, den man verwalten oder ausschöpfen könnte, sondern als innere Fähigkeit von Menschen und Gesellschaften, Bedeutung zu erzeugen, Richtung zu entwickeln und Verantwortung zu übernehmen, bevor äußere Zwänge sie dazu drängen. Zukunft ist kein Privileg ruhiger Zeiten. Sie ist eine Form von Überlebenskompetenz. Wir leben in einer Gegenwart, die vieles erkennt und dennoch erstaunlich wenig verändert. Noch nie war so offensichtlich, was ökologisch, sozial und wirtschaftlich auf dem Spiel steht. Und dennoch bleiben wir stehen. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus Überlastung. Wahrnehmung versickert, Handlung wird aufgeschoben, Zukunft vertagt.

Das ist kein persönliches Scheitern, sondern Ausdruck eines kollektiven Musters. Eine Kultur, die Effizienz über Bedeutung stellt, verliert ihre innere Orientierung. Systeme, die auf Stabilität fixiert sind, verlieren ihre Lernfähigkeit. Und Organisationen, die nur reibungslos funktionieren wollen, haben verlernt, nach ihrem Zweck zu fragen. Genau hier öffnet sich der Raum der Ressource Zukunft. Dort, wo wir aufhören, Zukunft als etwas Abgetrenntes zu betrachten, als Trend, Markt oder Prognose, und beginnen, sie wieder als Beziehung zu verstehen. Als Spannungsfeld zwischen dem, was ist, und dem, was möglich wäre. Zwischen Erkenntnis und Veränderungsbereitschaft.

Zukunft entsteht nicht allein aus Planung. Sie wächst aus inneren Bildern. Aus Vorstellungen davon, wie wir leben wollen und wofür wir Verantwortung übernehmen. Fehlen diese Bilder, bleibt selbst die ausgefeilteste Strategie hohl. Dann verbessern wir Systeme, die uns längst nicht mehr tragen, und beschleunigen Abläufe, ohne zu wissen, wohin sie führen. Die großen Herausforderungen unserer Zeit legen das offen. Die ökologische Krise ist nicht in erster Linie eine Frage der Technik. Die gesellschaftlichen Verwerfungen sind nicht bloß Verteilungsfragen. Und die politische Erschöpfung ist kein Kommunikationsdefizit. Sie alle verweisen auf verlorene Zukunftsbilder und auf eine Kultur, die gelernt hat, Risiken zu verwalten, dabei aber das Gestalten verlernt hat.

Regeneratives Denken… wie wir unsere gestalterische Kraft zurückgewinnen

Was fehlt, ist kein weiteres Mehr, sondern ein klares Wofür. Regeneratives Denken setzt genau dort an. Es fragt nicht zuerst nach Schadensbegrenzung, sondern nach Lebendigkeit. Es richtet den Blick auf Beziehungen statt auf isolierte Kennzahlen, auf Kreisläufe statt auf lineare Effizienz und auf Sinn statt auf reine Outputlogik. Das gilt für Städte und Quartiere ebenso wie für Organisationen, Bildungssysteme und unser eigenes Handeln. Zukunft beginnt nicht irgendwo da draußen. Sie beginnt dort, wo Menschen wieder spüren, dass ihr Tun Wirkung hat. Wo Selbstwirksamkeit nicht angekündigt, sondern erlebt wird. Und wo Verantwortung nicht als Bürde erscheint, sondern als Möglichkeit.

Ein hartnäckiges Missverständnis unserer Zeit ist die Annahme, Zukunft ließe sich auslagern. An politische Systeme, an technologische Lösungen oder an Märkte. Doch Zukunft entsteht nicht durch Stellvertretung. Sie entsteht im Zusammenspiel. In vielen kleinen Entscheidungen, in unbequemen Fragen und in der Bereitschaft, mit Ungewissheit zu leben. Auch die technologische Beschleunigung macht das sichtbar. Digitale Systeme und Automatisierung verändern unsere Welt in rasantem Tempo. Aber sie geben keine Antworten auf Sinnfragen. Sie verstärken, was wir in sie hineinlegen. Ohne innere Orientierung verstärken sie Orientierungslosigkeit. Mit klarer Haltung können sie neue Möglichkeitsräume eröffnen.

Die Ressource Zukunft liegt nicht in einem fernen Morgen. Sie ist der innere Boden, auf dem Gesellschaften stehen. Wird er gepflegt, wachsen Orientierung, Mut und Gestaltungskraft. Wird er vernachlässigt, breiten sich Rückzug, Zynismus und Gleichgültigkeit aus.

Das Beste entsteht nicht automatisch. Aber es kann entstehen, wenn wir aufhören zu warten und beginnen, Zukunft wieder als das zu verstehen, was sie ist: eine Beziehung, die gelebt und gestaltet werden will. Nicht irgendwann. Sondern jetzt!

 

ab 7. Mai 2026 im Buchhandel erhältlich

 

Zukunftsblick

Das Beste kommt noch…

Zukunft erscheint heute oft als Belastung, weil überlappende Krisen unsere Orientierung untergraben und unsere Handlungskraft blockieren. Doch im Kern zeigt sich, dass Zukunft keine ferne Prognose ist, sondern eine Ressource, die entsteht, wenn Menschen Bedeutung, Richtung und Verantwortungsbereitschaft entwickeln. Genau daran fehlt es unserer Kultur, die Effizienz über Sinn stellt, und damit ihre gestalterische Fähigkeit verliert.

Future Talk „Nahrung für alle“ – Über Mythen und Fakten

An diesem Abend in der Stadtbibliothek Dornbirn widmen sich der Zukunftsforscher Klaus Kofler und sein Gast Timo Küntzle der Frage, wie wir eine wachsende Weltbevölkerung ernähren können, ohne die ökologischen Grenzen endgültig zu sprengen. Schon nach wenigen Minuten wird klar, wer über Essen spricht, spricht über Energieflüsse, Ökologie, Verantwortung und Abhängigkeiten und nicht über Idylle.

Ein Thema, das uns alle betrifft

Der Journalist und Agrarwissenschaftler Timo Küntzle beginnt mit etwas scheinbar Banalen, einem Radieschen. Doch gerade dieses einfache Beispiel zeigt, wie viel Realität oft hinter unseren Vorstellungen verschwindet. Wer ein Radieschen anbaut, greift ein, in den Boden, in die Natur, in das Gleichgewicht. „Natürlich“ ist daran nichts. Jede Kulturpflanze, die uns heute ernährt, ist das Ergebnis von Züchtung, Auswahl und Eingriff. Und dennoch halten wir an der romantischen Vorstellung fest, Landwirtschaft sei etwas Ursprüngliches, fast Zeitloses. Doch das Bild von Sensenmähen und almgrünen Weiden trägt keine acht Milliarden Menschen.

Zwischen Wunschbild und Wirklichkeit

Während wir uns in solchen Bildern einrichten, wird die Wirklichkeit immer lauter. Die Regale sind voll, aber sie sind keine Garantie. Wetterextreme, globale Abhängigkeiten, Lieferunterbrüche, neue Schädlinge etc. zeigen uns, dass das System, das uns so selbstverständlich erscheint, längst unter Druck steht. Vor allem hier im Rheintal spüren wir die Veränderungen bereits heute deutlich. Und während die Temperaturen steigen, sinkt die Verlässlichkeit vieler vertrauter Abläufe, wie Klaus Kofler deutlich macht.

Genau deshalb werden wir uns alle verändern müssen, nicht irgendwann, sondern jetzt. Direktsaat statt Pflug, neue Sorten, die Hitze und Trockenheit besser ertragen, digitale Werkzeuge, die helfen, Wasser, Dünger und Energie sparsamer und präziser einzusetzen. Zukunft bedeutet nicht Rückkehr in die Vergangenheit. Zukunft bedeutet Anpassung, Weiterdenken und sich öffnen für all diese Herausforderungen.

Reizworte Glyphosat, Gentechnik & Co.

Doch gerade dort beginnen die Reizwörter, die Emotionen auslösen. Glyphosat, Gentechnik und Chemie. Wenige Themen werden hartnäckiger ideologisch diskutiert als jene, die uns jeden Tag auf den Teller kommen. Timo Küntzle meint, dass wir immer noch zu viele Technologien ablehnen, die längst unsere Ernährung sichern sollten. Und dass wir gleichzeitig Verfahren nutzen, die streng genommen unter die Kategorie „Gentechnik“ fallen, nur nennen wir sie seit Jahrzehnten anders. Entscheidend ist nicht das Wort, sondern die Wirkung. Was schützt den Boden? Was hilft der Pflanze? Was spart Energie? Was macht unser System stabiler?

Ähnlich widersprüchlich ist das Thema Dünger. Ohne synthetischen Stickstoff gäbe es die Hälfte der Menschheit nicht. Und doch wissen wir, dass seine Produktion energieintensiv ist und verändert werden muss. Auch hier lautet die Antwort nicht zurück, sondern besser.

Das Fazit des Abends ist ein nüchterner, ehrlicher Blick auf das, was uns ernährt. Weniger Ideologie, weniger Angst und dafür mehr Wissen, mehr Mut und mehr Bereitschaft, Verantwortung zu teilen. Denn die Frage „Nahrung für alle“ ist keine Frage der Landwirtschaft allein. Es ist die Frage, wie wir als Gesellschaft Zukunft denken.

Danke an Timo Küntzle für sein Kommen, Danke an alle Teilnehmer für das große Interesse, das volle Haus und die vielen anregenden Gespräche.

Den gesamten Talk gibt es hier zum Nachhören.

Zukunftsblick

Future Talk „Zukunft Nahrung“ mit Timo Küntzle

Klaus Kofler und Timo Küntzle zeigen im Future Talk, warum Ernährungssicherheit ein weltweites Zukunftsthema ist, geprägt von Klimawandel, neuen Technologien, globalen Abhängigkeiten und überholten Mythen. Ein klarer Blick auf das, was uns wirklich ernährt.